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Thérèse von Lisieux ist heute wohl eine der berühmtesten und beliebtesten Heiligen. Papst Pius X. nannte sie «die grösste Heilige der Neuzeit». Marie-Françoise Thérèse Martin kam als neuntes Kind am 2. Januar 1873 in Alençon in der Normandie (Frankreich) auf die Welt. Im Alter von viereinhalb Jahren wurde sie Halbwaise. Nach dem Tod ihrer Mutter zog die Familie nach Lisieux. Schon in jungen Jahren hatte Thérèse ein besonderes Verhältnis zu Maria. An Pfingsten 1883 wurde sie durch die Fürsprache von Maria und das «Lächeln der Gottesmutter» von einer schweren Krankheit geheilt.
Thérèse entschloss sich 1886, bei den Karmelitinnen in Lisieux ein kontemplatives Leben zu führen wie ihre Schwestern Pauline und Marie, doch der zuständige Bischof verweigerte wegen ihres jugendlichen Alters die Aufnahme. Anlässlich einer Rompilgerfahrt hat sie die Sondererlaubnis von Papst Leo XIII. zu erwirken versucht, der aber die letzte Entscheidung in der Zuständigkeit des Bischofs beliess. Dieser stimmte dem frühen Beitritt schliesslich 1888 zu.
Im Gegensatz zum strengen Gottesbild jener Zeit sah Thérèse ihren Lebensweg als einen Weg der Hingabe an Gott und die Mitmenschen. Gott in Jesus über alles lieben und in der Liebe zu Menschen Gott erfahren: das war der Kern ihrer Frömmigkeit. Sie wollte Gott lieben, wie er noch nie geliebt worden ist. Sie erkannte auch ihre Schwachheit und setzte mit kindlichem Vertrauen ganz auf die Hilfe und Barmherzigkeit Gottes, wie ein Kind, das sich angstlos den Armen des Vaters überlässt.
Thérèse wurde bekannt für ihren «kleinen Weg» der Einfachheit, kleine Dinge zu erledigen und tägliche Dienstpflichten zu verrichten. In einer ihrer Schriften heisst es: «Er zeigt uns, dass es die kleinsten, aus Liebe getanen Handlungen sind, die sein Herz gewinnen ... Ah! Wenn es darauf ankäme, grosse Dinge zu vollbringen, wie sehr wären wir zu bedauern? ... Aber wie glücklich sind wir, weil Jesus sich durch die kleinsten Dinge fesseln lässt.» Dadurch wurde Thérèse ein Vorbild an Heiligkeit für unzählige einfache Menschen auf der ganzen Welt.
Die Ordensschwestern hielten die junge Thérèse für eingebildet und machten ihr das Leben oft schwer, die Priorin behandelte sie in den ersten Jahren mit grösster Strenge. Ihr Glaube wurde auch durch die Krankheit ihres geliebten Vaters Louis Martin auf die Probe gestellt, der im Juli 1894 starb.
Zwei Jahre später erkrankte Thérèse an Tuberkulose, und erlebte dies als Begegnung mit ihrem göttlichen Lebensgefährten. Am Abend ihres Todes, eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Krankheit, schrieb sie an ihren geistlichen Bruder M. Bellier: «Ich sterbe nun, ich gehe ins Leben.» Mit den Worten «Mein Gott, ich liebe dich!» starb sie im Alter von nur 24 Jahren.
Im April 1923 selig gesprochen, wurde sie zwei Jahre später heilig gesprochen. 1927 wurde Thérèse neben Franz Xaver zur Patronin aller Missionen erklärt. Während des Weltjugendtages 1997 in Paris kündigte Papst Johannes Paul II. seine Absicht an, in diesem Jahr die Heilige Thérèse von Lisieux als «Doktor der Kirche» zu proklamieren. Am Missionssonntag im Oktober wurde Thérèse, die nie studiert hatte, dieser bedeutendste Titel verliehen. Dieser Umstand zeigt eindrücklich, wie aktuell und bedeutend ihre Lehre ist. Und diese lässt sich mit den Worten zusammenfassen: Gott ist die Liebe.
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