Neuer Elan für morgen und eine grosse Mission."Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein." (Apg 1,8)Neuer Elan für morgen und eine grosse Mission.
Es ist wirklich schwierig in Worte zu fassen, was der Weltjugendtag (WJT) in Sydney, der im Juli 2008 stattgefunden hat, war. Ein solches Erlebnis ist eine so persönliche Erfahrung. Trotzdem drängt mich etwas, einige Worte wegen der Jugendlichen zu sagen. Für sie und mit ihnen gibt dieses Treffen am anderen Ende der Welt uns allen neuen Elan und ruft uns somit zur Mission auf.
Beginnen möchte ich diese Zeilen mit einer tiefen Überzeugung, die sich in mir während meines Aufenthaltes in Australien noch verstärkt hat: es ist eine Überzeugung, die sich auf eine spirituelle Dimension bezieht. Der Heilige Geist, die dritte Person der Heiligen Dreifaltigkeit, wirkt in den Herzen und auf der ganzen Welt. Was wir erlebt haben, hätten wir nur aus eigener Kraft nicht realisieren können, sondern war dank der Gnade der Gegenwart des Heiligen Geistes möglich. Warum so weit weg fahren, um den WJT zu erleben? Es ist viel zu unreichend, auf diese Frage zu antworten, dass wir zum Beispiel einen anderen Kontinenten entdecken wollten. Ich glaube, dass der Heilige Geist wie beim ersten Pfingstfest die Jugendlichen der Welt dazu gedrängt hat, sich zu versammeln, Gemeinschaft zu erleben und jetzt zu Zeugen der Guten Botschaft inmitten dieser Welt zu werden.
Meiner Meinung nach gibt es unter anderem die folgenden konkreten Beispiele, die diese Überzeugung bestätigen:
- Man darf den wichtigen Weg desjenigen, der in die Fussstapfen von Papst Johannes Paul II., dem Vater der Weltjugendtage, getreten ist nicht minimieren: Papst Benedikt XVI. Als er in Randwick ankam, um die Jugendlichen, die sich in Sydney versammelt hatten, zu begrüssen, war ich sehr bewegt, ihn in dem Wissen zu sehen, dass er Kontinente, Gebiete und Meere überflogen hatte, um sich mit den Jugendlichen zu treffen.
- Man kann nur darüber staunen, was sich in der Gastdiözese in Australien auf der Ebene der Pfarreien und der Familien vor dem Treffen in Sydney ereignet hat. Mir kommt spontan diese sechsköpfige Familie in den Sinn, die vier Jugendliche aus der Schweiz aufgenommen hat, die am Morgen aufgestanden sind und mit einem feinen Frühstück verwöhnt wurden.
- Man kann für all die Katechesen dankbar sein, welche die Jugendlichen von den 250 anwesenden Bischöfen erhalten haben, und für die Dialoge, die zwischen den Jugendlichen und den Bischöfen stattgefunden haben. Zeiten der Gnade und der Wohltat – sowohl für die einen wie auch für die anderen.
- Man kann sich über die Intensität der Botschaften des Heiligen Vaters bei jeder Feier, der er vorstand, freuen: Botschaften, hauptsächlich auf die Person des Heiligen Geistes und sein Handeln und das Zeugnis ausgerichtet, das die Jugendlichen eingeladen sind, zu ihren Altersgenossen und in die Welt zu tragen, dorthin wo sie leben. Am Ende seiner Predigt im Rahmen der Vigil am Samstagabend mit den Jugendlichen sagte er: "Lasst uns den Heiligen Geist anrufen: Er ist der Vollbringer der Werke Gottes. Lasst Euch von seinen Gaben formen! Ebenso wie die Kirche, die mit der ganzen Menschheit auf der gleichen Reise unterwegs ist, seid auch Ihr gerufen, die Gaben des Geistes inmitten der Aufs und Abs Eures Alltagslebens zur Geltung zu bringen. Lasst Euren Glauben reifen in Studium, Arbeit, Sport, Musik und Kunst. Lasst ihn Unterstützung finden durch das Gebet und Nahrung durch die Sakramente."
- Schliesslich kann ich nicht anders, als die enorme Vorbereitungsarbeit zu erwähnen, in Australien, das ist sicher, aber auch die Arbeit der Verantwortlichen, die in den Diözesen der verschiedenen Länder, in den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz, so vielen Jugendlichen erlaubt hat, sich nach Sydney zu begeben und dieses Ereignis so gut zu erleben. Gleichzeitig gibt es auch die Arbeit der Verantwortlichen, die mit den Jugendlichen in der Schweiz geblieben sind. Ich denke ganz konkret an Théomania in Vérolliez (VS), an das Kloster in Cazis (GR) und an Bioggio (TI).
Diese Beispiele, die übrigens viele Gemeinsamkeiten haben, bestätigen also, dass es uns nur aus eigener Kraft nicht möglich gewesen wäre, diesen Weg mit den Jugendlichen bis zum Ziel zu gehen. Es ist nicht überflüssig, dies nochmals zu sagen.
Der Heilige Geist war am Werk. Er war nicht nur am Werk, er ist am Werk und sendet uns jetzt. Die Kraft des Heiligen Geistes, der die Herzen der Jugendlichen erfüllt hat, ist keine statische Realität, sondern entspricht ganz im Gegenteil einem starken Windstoss oder gewaltigen Flammen. Dank dieser Kraft sind wir ausgesandt. Hier kommen wir auf das Thema des WJT 2008 zurück, das durchweg präsent war und mich weiterhin begleitet: "Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein." (Apg 1,8)
"... Und ihr werdet meine Zeugen sein."
Die Jugendlichen sind wieder zurück, glücklich und erfüllt von der Erfahrung in der Kirche mit ihrem Stellvertreter auf dieser Erde, Papst Benedikt XVI. Das Feuer des Heiligen Geistes brennt in ihren Herzen. Sie werden dieses Feuer immer anfachen können, nicht nur für sie selbst, sondern auch für all diejenigen, die kommen werden, um sich an diesem Feuer wieder aufzuwärmen.
So gehe ich den Weg weiter mit den Jugendlichen und mit ihren Begleitern und Begleiterinnen, denn der WJT, ob er nun in Sydney oder in den Orten erlebt wurde, wo die Jugendlichen geblieben sind oder sich hinbegeben haben, wie in Lourdes zum Beispiel, treibt uns weiter. Deshalb frage ich die Jugendlichen, die diesen WJT oder einen der vorigen erlebt haben, sich zu versammeln. Ich lade sie ein "Programm" aufzustellen. Ich stelle diese Frage spontan den Jugendlichen des WJT, weil diese Botschaft das Erlebte von Sydney 2008 betrifft, aber ich stelle sie auch und auf die genau gleiche Weise allen Jugendlichen, wo immer sie auch sind. Ich denke zum Beispiel an die 25'000 Pfadis der Schweiz, die sich fast zur Zeit des WJT für das Bundeslager im Linthebene getroffen haben. Nach meiner Rückkehr aus Sydney habe ich sie gerne besucht, um mit einigen von ihnen, die am Sonntag, 27. Juli, eine Zeit der Andacht mit dem Herrn verbringen wollten, zu beten. Ich denke an alle Sommerlager, die stattgefunden haben, an alle Aktivitäten für Jugendliche, die innerhalb und ausserhalb der Schweiz stattgefunden haben.
Seien wir gemeinsam diese Zeugen Jesu Christi, der jedem Leben Sinn und Richtung gibt. Bauen wir Brücken, begegnen wir einander, haben wir den brennenden Wunsch, unser Leben mit Intensität und Enthusiasmus zu leben. Bleiben wir nicht allein. Erinnern wir uns daran, was das Motto des nationalen Jugendtreffens in Bern mit Johannes Paul II. im Juni 2004 war: "Steh auf." Johannes Paul II. fürchtete sich nicht zu sagen: "Die Zeit des Handelns ist angebrochen."
Schliesslich denke ich nochmals an alle Verantwortlichen, die auf die ein oder andere Art und Weise den Weltjugendtag 2008 mitgetragen und dazu beigetragen haben. Von ganzem Herzen sage ich euch: "Ein riesiges Dankeschön für die grosse Arbeit, die ihr geleistet habt, die jetzt schon Früchte trägt." Ich bin mir aller Mühen und auch der grossen Verfügbarkeit bewusst. Aber nur Gott allein weiss, was sie alles geleistet haben. Das ist essentiell. Ich lade auch sie ein, sich zu versammeln, um die Konsequenzen aus diesem weltweiten Jugendtreffen zu ziehen und sich zu fragen, wie wir zusammen, dort wo wir sind, den Weg weiter gehen können. Mögen uns die Worte von Benedikt XVI. an die Förderer und Organisatoren darin bestärken: "Möge die geistliche Freude, die Befriedigung und die Erfüllung, die wir alle in diesen Tagen erfahren haben, eine unerschöpfliche Quelle des Segens in Ihrem eigenen Leben sein. Mögen Sie niemals an der Wahrheit des Versprechens unseres Herrn zweifeln, dass wir immer, wenn wir unsere Kreativität, unsere Energie, unsere Ressourcen und unser ganzes Sein ihm hingeben, das alles reichlich zurückbekommen werden (vgl. Mt 19,29)!"
Der Elan ist uns nun gegeben worden. Verfolgen wir unsere Mission mit dem Feuer des Heiligen Geistes.
+Denis Theurillat, Jugendbischof Solothurn, 6. August 2008, am Fest der Verklärung des Herrn
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